Pilotprojekt: EFW startet mit Partnern Recycling eines A320 am Flughafen Rothenburg

Dezember 09, 2020

Auftakt mit Ministerpräsidenten Kretschmer, EFW und Partnern am 9.12.2020


Pilotprojekt im Flugzeugrecycling
Der 9. Dezember markiert einen Meilenstein, nicht nur für die Projektpartner und Elbe Flugzeugwerke GmbH (EFW), sondern auch für Rothenburg und die Region. Es ist Auftakt für den Testlauf eines XXL-Recyclings, denn ein stillgelegter A320 soll auf Betreiben der EFW möglichst umfassend zurück in den Wertstoffkreislauf. Damit teure Bauteile wie Triebwerke, Fahrwerk oder Bordcomputer, hochwertiges Material wie Aluminium und andere Metalle oder auch Kunststoffe, Glas und Verbundmaterialien ein zweites Leben bekommen, braucht es mehrere Experten, Fachwissen auf höchstem technischen Niveau und passende Randbedingungen. Die sind am Flughafen in Rothenburg mit langer Landebahn, der Abstell-Kapazität von bis zu 27 Flugzeugen, einem großen Hangar und Vorplatz sowie guter Verkehrsanbindung.

Kooperation von Spezialisten
Das ist Voraussetzung, damit Ausbauteile und Materialien schnell und gut ihren Weg in die Welt finden. Denn Partner APOC Aviation, der die A320 von einem führenden US-Unternehmen kaufte, ist im Flugzeug- und Ausbauteile- Handel sowie im Leasing aktiv und bedient internationale Kundschaft. Das Niederländische Unternehmen betreibt neben dem klimatisierten Großlager zwischen den Drehkreuzen Amsterdam und Rotterdam Airport seit kurzem auch in Singapur einen strategischen Ersatzteil-Hub und plant, in 2021 weitere Lager u.a. in den USA und Asien zu eröffnen. Diese Wachstumsstrategie ist nachvollziehbar, denn mit der COVID-19 Pandemie sind Airlines und Betreiber weltweit von Umsatzeinbrüchen betroffen, müssen aber Wartungen und Reparaturen an ihren Maschinen ausführen, damit diese flugfähig bleiben. Im Vergleich zu teuren Neuteilen werden gute Ausbau-Ersatzteile gerade jetzt besonders attraktiv.

Know-how für ein zweites Leben
Um die hochwertigen, zertifizierten Teile für die Luftfahrt wiederverwenden zu können, braucht es technisches Spezialwissen, auch zu Prozessen und Vorgaben der Luftfahrtbehörden. Je nach Auftraggeber und Flugzeug kann es sich für Kurzstreckenflugzeuge um 700 – 1.500 unterschiedliche Teile handeln, die es wiederzugewinnen gilt.  Dazu haben die Elbe Flugzeugwerke mit einer Part 145 Zertifizierung der EASA als anerkannter Wartungsbetrieb langjährige Erfahrungen - auch zu Frachterumrüstung. Qualifizierte EFW Mitarbeiter garantieren mit ihrem Knowhow den fachgerechten Ausbau, die Aufarbeitung und damit die sichere Wiederverwertung. Dazu gehört auch die richtige Verpackung, Dokumentation und Deklaration. Ein Team der CCI-A Kodersdorf, einer Tochter der EFW, übernimmt die Logistik der Teile. Ein gutes Dutzend Mitarbeiter EFWs aus der Region wird im Projekt unterstützen.

Erfahrung und Innovation
Mit dem Pilotprojekt soll auch die Recyclingquote erhöht und zukunftsweisende, neue Standards ausgelotet werden. Recycling ist eins, Flugzeugrecycling etwas Anderes. Wohin mit dem Berg an Material? Knapp ein Drittel der 47 Tonnen des unbetankten A320 würde nach herkömmlichem Vorgehen nicht verwertbarer Abfall bleiben. Um das zu ändern, braucht es passende Partner wie Eco-Fly. EFW und Eco-Fly haben gemeinsam über die letzten 14 Monate in Workshops die potenzielle Zusammenarbeit für das Recycling des Prototypen A320 evaluiert und sich für das Pilotprojekt entschieden. Eco-FLY Ltd. bringt Innovation und Spezialwissen zu Recycling auf höchstem Niveau mit. Das Unternehmen gehört zur Wiederkehr Gruppe, eines der größten Recyclingunternehmen der Schweiz, mit zwei Standorten in Deutschland, einer davon in Polleben, Sachsen-Anhalt. Im Hauptsitz des Unternehmens, in Waltenschwil, Schweiz steht eine der modernsten Wiederaufbereitungs-anlagen weltweit. Mit Eco-Fly Ltd. werden Technologien und Prozesse getestet, die den Abfall-Anteil deutlich reduzieren können - auf bis zu 18%. Was bisher auf das Entsorgen von Mischabfall und Metallen reduziert war, ist nun die Hightech-Aufbereitung von wertvollen Materialien.

Potential für mehr
Der A320 steht bereit. Die nächsten Monate in Rothenburg werden zeigen, wie nachhaltiges Flugzeugrecycling effizient umgesetzt werden kann. Das Potential zu Projekten wie diesem ist groß. Flugzeuge werden heute früher außer Dienst gestellt. Nach neuesten Schätzungen der IATA (dem internationalen Dachverband der Fluggesellschaften) werden in den kommenden 10 Jahren weltweit ca. 11.000 Flugzeuge stillgelegt – ein großer Teil davon Kurzstreckenflugzeuge wie der A320. Durch die Corona-Pandemie ist zu erwarten, dass Stilllegungen vorgezogen werden. Experten gehen davon aus, dass der größte Peak von 2023 bis 2025 bevorsteht und damit auch eine deutliche Zunahme von Recyclingaktivitäten. EFW engagiert sich dafür, dass ein Teil dieses Marktes in Deutschland bearbeitet wird. Rothenburg bietet mit dem Flughafen und der Region Potential. Das Projekt könnte der erste Schritt zu Aufbau und Etablierung des Flugzeugrecycling-Standortes in Rothenburg sein. Gemeinsam mit der Eco-FLY Ltd. und der Elbe Flugzeugwerke GmbH werden die nötigen Voraussetzungen für eine Umnutzung geprüft.

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A320 für Pilotprojekt im Flugzeugrecycling in Rothenburg
Quelle: Elbe Flugzeugwerke

Über die Elbe Flugzeugwerke
Die Elbe Flugzeugwerke GmbH (EFW), Joint Venture von ST Engineering und Airbus, bündelt verschiedene Luftfahrt- und Technologieaktivitäten unter einem Dach: Entwicklung und Herstellung von Faserverbundbauteilen für Flugzeugstrukturen und Innenausstattungen der gesamten Airbus-Familie, Umbau von Passagierflugzeugen in Frachtflugzeugkonfiguration, Wartung und Reparatur von Airbus-Flugzeugen sowie Ingenieurdienstleistungen im Rahmen der Zertifizierung und Zulassung. Das Unternehmen beschäftigt rund 1.600 Mitarbeiter und erzielte 2019 einen Umsatz von knapp 300 Millionen Euro. Weitere Informationen zu EFW finden Sie unter www.efw.aero.

Ansprechpartner Medien
Anke Lemke
+49 (0) 3 51 88 39 2516
anke.lemke@efw.aero

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